Toleranz und Intoleranz in Schule und Gesellschaft

Workshop „Teaching Gender?“ von Juliette Wedl, Pädagogischer Tag „Toleranz lernen“, 13.09.2017, Stuttgart

Der Pädagogische Tag Stuttgart hat zum Ziel, die Bedeutung von Toleranz und Intoleranz in Schule und Gesellschaft zu thematisieren. Dabei sollen konkrete Hilfestellungen für Unterricht und Alltag gegeben werden. In diesem Kontext wurde ich für einen Workshop eingeladen: Ursprünglich mit unserem Sammelband „Teaching Gender? Zum reflektierten Umgang mit Geschlecht im Schulunterricht und in der Lehramtsausbildung“, doch habe ich dieses verbunden mit der Vorstellung des Identitätenlottos. Anhand des Lehr-Lern-Spiels „Identitätenlotto“ werden Ansätze einer genderreflexiven Pädagogik diskutiert.

Toleranz ist der zentrale Begriff des Tages. Im allgemeinen wird der Begriff mit Neutralität verbunden. Im Konzept des Pädagogischen Tages heißt es: „Toleranz ist nötig, damit Menschen mit unterschiedlichen Werten, Lebensformen oder Überzeugungen zusammenleben können. Toleranz ist eine Grundlage unserer demokratischen Grundordnung. Toleranz umfasst die Auseinandersetzung mit anderen, die Entdeckung von Gemeinsamkeiten in der Unterschiedlichkeit und Vielfalt und das bewusste Wahrnehmen von Differenz.“

Anders versteht jedoch der Hauptredner des Tages diesen Begriff, Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld). In seinem Vortrag „Pluralitätsfähigkeit lernen. Kultursensibel werden. Von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und riskanter Toleranz“ hinterfragt er unter anderem den Toleranz-Begriff kritisch. Toleranz ist eine Haltung, die mit „Duldsam sein“ oder auch nachsichtig bzw. großzügig sein übersetzt werden kann. Das Verb tolerieren bedeutet „erdulden“ oder „ertragen“. Heitmeyer merkt an, dass der Begriff immer auch ein hierarchisches Verhältnis, eine implizite Abwertung und Ungleichwertigkeit enthält. Toleranz können sich nur die Mächtigen leisten – den Ohnmächtigen steht diese Option nicht zur Verfügung, sie können sich nur einfügen, ducken, aushalten. Mit Toleranz ist kein Verhältnis auf Augenhöhe verbunden, sodass Heitmeyer den Begriff der Anerkennung bevorzugt, der sowohl Wechselseitigkeit als auch eine Interaktion beinhaltet.

Weiterführende Informationen auf der Website Pädagogischer Tag Stuttgart (PAETS).

jw